Anmerkung: Dies ist der Auftakt zu einer Artikelreihe mit Fokus auf Frauen in Engineering. Wir haben Priyanka Mazangaonkar, Director of Engineering bei Selligent Marketing Cloud, gebeten, uns über ihre vielfältigen Rollen zu erzählen.

„Wie bekommst du das alles unter einen Hut?"

„Glaubst du, dass du allen Aufgabenbereichen gerecht wirst?"

„Wie ist das mit der zeitlichen Beanspruchung?”

Zunächst mal bin ich froh, dass mir diese Fragen nicht als „berufstätige Mutter” gestellt werden, sondern weil ich seit einiger Zeit gleichzeitig drei verschiedene Rollen in meinem Unternehmen übernommen habe.

Es ist nichts Außergewöhnliches, mehrere Rollen zu übernehmen. In Startups ist es beispielsweise üblich, dass jeder erst einmal mehrere verschiedene Funktionen erfüllt. Und später, wenn das Unternehmen wächst, werden diese Funktionen individuell besetzt. Was an meiner Situation besonders war: Die Rollen, die ich übernommen habe, waren in den anderen Engineering-Teams im Unternehmen schon auf mehrere Mitarbeiter verteilt. Die Notwendigkeit zum Multitasking entstand aus meinem Team heraus, denn wir sind sozusagen das Startup-Team unter den anderen.

Team Manager, Scrum Master und Product Manager: Alles in einer Person!

So kam es zu dem Rollenmix, denn ich habe neben meiner Standard- bzw. Hauptrolle als Team Manager auch die Aufgaben des Scrum Masters und des Product Managers übernommen – im ersten Engineering-Scrum-Team, das in Nordamerika aufgebaut wurde. Agile Scrum wird in unseren Engineering-Teams mit großer Begeisterung praktiziert und natürlich gibt es dort klar definierte Rollen und Aufgaben für Scrum Master und Product Manager. Daher war es für eine einzelne Person eine noch größere Herausforderung, diese Rollen parallel auszufüllen. Ich bin ins kalte Wasser gesprungen, mit der Haltung „Herausforderung angenommen – packen wir’s an!” und es war, gelinde gesagt, eine interessante Erfahrung.

Die Herausforderung meistern – in mehreren Rollen

Auf einige Herausforderungen war ich gefasst und hatte sie eingeplant, andere begegneten mir „unterwegs” und mussten aus der Situation heraus gelöst werden. Unterm Strich ging es bei allem schwerpunktmäßig um vier Aspekte:

  1. Neudefinition der Rollen 
    Der Inhalt von drei vollen Krügen kann nicht in einen einzigen passen. Das heißt, es ging erstmal darum, die minimal praktikable Definition für jede Rolle zu finden. Zum Beispiel beinhaltet die umfassende Rolle des Scrum Masters Verantwortlichkeiten, die über das eigene Team hinausgehen: Das Erstellen relevanter Dashboards, die Nachverfolgung übergreifender Statistiken, Prozesse und Fortschritte in den einzelnen anderen Teams. Es war also wichtig herauszufinden, welche Aufgaben eines Scrum Masters für unser besonderes Arrangement ein absolutes Muss waren, und welche bis zur individuellen Besetzung der Position warten konnten. Mein Mantra bestand darin, mit den „Must-haves” zu beginnen, dann zu den „Nice-to-haves” überzugehen und eindeutige, messbare Ziele für jede Rolle zu definieren.
     
  2. Eine oder mehrere Personen als Ansprechpartner
    Es ist sinnvoll, eine/-n Ansprechpartner/-in (oder mehrere) zu haben, die einen in der Startphase der parallel laufenden Aufgaben unterstützen – und auch danach, wenn die Einarbeitung oder das Hand-off abgeschlossen ist. Das erleichtert nicht nur die Anlaufphase, sondern sorgt auch für ein automatisches Backup, was gerade dann besonders wichtig ist, wenn eine Person verschiedene Funktionen erfüllt.
     
  3. Klare Kommunikation
    Die Kommunikation wird nuancierter, wenn man mehrere Rollen hat. Ich bin Team Manager, Scrum Master und Product Manager und ich kann in einer oder mehrerer dieser Rollen an einer Email- oder Chat-Konversation beteiligt sein. In diesen Fällen ist es manchmal wichtig, in meiner Antwort zu verdeutlichen, in welcher Funktion ich gerade spreche. Ich ergänze oft Formulierungen wie „aus Produktperspektive betrachtet” oder „als Scrum Master”, um zu verdeutlichen, in welcher Rolle ich antworte oder mich in das Gespräch einbringe.
     
  4. Feedback und Rückblick
    Die beiden Säulen kontinuierlicher Weiterentwicklung – Feedback und Rückblick – waren für mich immer sehr wichtig und wertvoll. Außer den regulären Feedback-Runden mit meinem Chef habe ich immer den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen der anderen Scrum-Teams sowie mit meinen Peers in anderen Teams (und sogar in anderen Unternehmen) gesucht, um eine realistische Einschätzung zu bekommen, wie ich in den unterschiedlichen Rollen performe. Das, in Verbindung mit einem regelmäßigen Rückblick, hat mir ermöglicht, erforderliche Kurskorrekturen eher früher als zu spät vorzunehmen. Zurück zu den Anfangsfragen…
     

Damit will ich nicht behaupten, dass ich jede dieser Positionen perfekt ausfülle – davon bin ich weit entfernt. Es gibt täglich Momente, in denen die drei Stimmen in meinem Kopf hektisch daran arbeiten, ihren Input zu einem Thema zusammenzubringen (ja, ich weiß, wie das klingt). Dennoch kann ich mir gestellte Fragen entspannt beantworten:

  • Ich halte die Bälle in der Luft, weil ich bestimmte Erwartungen an jede Rolle habe.
  • Ja, ich glaube, dass ich allen Aufgaben gerecht werde. Da ich ein Mensch bin, verläuft meine Leistungskurve nicht symmetrisch, doch das liegt nicht an einem Mangel an Einsatz, Aufmerksamkeit oder Fähigkeit.
  • Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass es kein größerer Zeitaufwand ist. Zu Beginn war der Zeitaufwand am größten, aber als ich in jeder Rolle mehr praktische Erfahrung gesammelt hatte, pendelte er sich auf einem bestimmten Level ein. Ja, es ist immer noch eine große zeitliche Beanspruchung. Diese lässt sich aber mit klaren, doch adaptiven Zielen gut steuern.

Zum Schluss sind hier noch meine ehrlichen Antworten auf ein paar Zusatzfragen, die mir gestellt wurden:

  • „Ist das nicht mental extrem anstrengend?”

Natürlich ist es das.

  • „Lohnt sich das?"

Mit Sicherheit!

  • „Würdest du es wieder machen?"

...oh, tut mir leid, aber ich glaube ich habe jetzt ein Meeting...

 

Priyanka Mazagaonkar ist Director of Engineering bei Selligent Marketing Cloud. Sie arbeitet bereits seit über 15 Jahren in der Software-Technologiebranche. Ihre Laufbahn begann sie als Software-Ingenieurin und übernahm bald darauf schon eine Führungsposition. Priyanka leitet seit vielen Jahren globale Engineering-Teams und ihr besonderes Interesse gilt der Frage, wie man Produkte in die Cloud bringt und anderen verwandten Themengebieten. Sie verfügt über weitreichende Erfahrung als Mitglied und in der Koordination eines Offshore-Teams, vor allem in den Bereichen Neuentwicklung und Technologie-Exploration.

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