Der Kauf von Adresslisten kostet Sie mehr als nur Geld

 
 

Hin und wieder haben wir Kunden, die Adresslisten kaufen möchten. Das scheint zwar ein schneller und einfacher Weg zu sein, um eigene Kontaktlisten zu erweitern, doch in den meisten Fällen bringt es mehr Schaden als Nutzen.  

Wohl jeder wünscht sich eine umfangreiche Kontaktliste. Denn mehr Kontaktdaten bedeuten mehr potenzielles Einkommen. Das mag zutreffend sein - doch wenn mehr Kontaktdaten durch gekaufte Adresslisten zustande kommen, wird die Blase schneller platzen, als Sie denken. Mehr noch: Dies könnte sogar den gegenteiligen Effekt haben.  

Lassen Sie uns zuerst einen Blick auf die rechtlichen Aspekte werfen. Nach geltendem europäischen Recht dürfen kommerzielle E-Mails nur an solche Empfänger verschickt werden, die im Vorfeld ihr ausdrückliches Einverständnis dazu erteilt haben (auch bekannt als Opt-in) - und auch nur so lange, bis sie sich wieder abmelden (Opt-out). Ohne ausdrückliches Opt-in können Sie nur solche Nutzer per E-Mail kontaktieren, mit denen Sie zuvor in einer Geschäftsbeziehung gestanden haben. Und auch das wiederum nur so lange, bis diese um Abmeldung bitten. Da dies europäisches Gesetz ist, müssen sich alle europäischen Länder daran halten. Kein Land darf eine abgemilderte Gesetzesversion anwenden, kann aber nach eigenem Ermessen noch strengere Vorschriften einführen (wie zum Beispiel in der deutschen Gesetzgebung). 

 

Auf die Adresslisten bezogen, hat demnach der Verkäufer, der die E-Mail-Adressen gesammelt hat, (unter Umständen) ein solches Opt-in erhalten. Viele dieser Unternehmen fragen ihre Abonnenten, ob sie damit einverstanden sind, wenn ihre E-Mail-Adressen an Geschäftspartner weitergegeben werden, aber in der Regel hat der Abonnent keine Ahnung, wer diese „Partner“ sind.

Die Nutzer auf der Liste erhalten also irgendwann aus heiterem Himmel E-Mails von einem unbekannten Absender. Heutzutage läuten bei dem Empfänger wahrscheinlich gleich die Alarmglocken, denn er/sie hat diese E-Mail nie angefordert, nie etwas bei diesem Unternehmen oder dieser Marke gekauft und vielleicht sogar noch nie etwas davon gehört. Ehrlich gesagt, ich würde solchen E-Mails auch nicht trauen. Und was machen Sie mit verdächtigen E-Mails? Sie verschieben sie sofort in den Spam-Ordner!

Auch wenn dies zunächst harmlos erscheinen mag, Sie sollten bedenken, dass Ihre Reputation ernsthaft Schaden nimmt, wenn Nutzer Ihre E-Mails in den Spam-Ordner verschieben. Eine schlechte Reputation bedeutet, Ihre E-Mails (sogar diejenigen, die an rechtmäßig erlangte E-Mail-Adressen verschickt werden) kommen nie im Mail-Eingangsordner an, sondern landen stattdessen regelmäßig im Spam-Ordner - oder noch schlimmer, werden sogar dauerhaft blockiert. Nach und nach bricht Ihr Umsatz ein. Und daran ändert auch die verschwindend geringe Zahl von Nutzern, die auf der gekauften Liste stehen und möglicherweise ihre E-Mails öffnen, nichts mehr.  

 

Fakt ist: Sie riskieren nicht nur eine Beschwerde oder Klage wegen Spam-Verbreitung, sondern handeln sich womöglich sogar noch Spam-Traps (Spam-Fallen) ein. Es ist nicht immer nachvollziehbar, woher die Verkäufer von Adresslisten ihre Daten beziehen - die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass die Listen präparierte Adressen (Spam-Traps) enthalten. Selbstverständlich wird Ihnen der Verkäufer das nie erzählen und Sie haben auch keine Möglichkeit zu überprüfen, ob die Liste Spam-Traps enthält, denn diese können nicht identifiziert werden. Sie können also ggfs. auch nicht beweisen, dass Sie aufgrund einer gekauften Adressliste auf eine Blacklist gesetzt wurden. Wenn Ihnen das passiert, haben Sie keine Handhabe gegen den Verkäufer. Spam-Fallen können unmittelbare Sanktionen von Seiten der Provider zur Folge haben, mit denen Sie Wochen oder sogar Monate beschäftigt sind. In diesem Fall gibt es keine schnellen Lösungen.

 

Also - kaufen Sie bitte keine Adresslisten. Marketers müssen ihren Fokus auf die Entwicklung guter Akquise-Programme legen, um ihren Adressbestand organisch zu erweitern. Sie müssen so attraktive und relevante Inhalte verbreiten, dass Kunden und Abonnenten sich für die Marke interessieren und diese E-Mails gerne regelmäßig lesen.