Künstliche Intelligenz im Marketing – was bringt die Zukunft und was ist heute bereits Realität?

 
 

Die Marketingplattform der Zukunft gehorcht aufs Wort. „Siri, entwerfe uns bitte eine gezielte Marketingkampagne für eine Zielgruppe von 18- bis 22-jährigen Kunden mit Vorliebe für Sport und Fitness. Wir brauchen segmentierte Ansprache mit personalisierten E-Mails, Push-Nachrichten und Social-Media-Anbindung. Schaffst du das in 30 Minuten?“

Ein derartiges Szenario ist zwar (noch) Zukunftsmusik, aber künstliche Intelligenz – auch bekannt als „Deep Learning“ – prägt immer weitere Teile der Gesellschaft. Und die Maschinen werden immer schlauer: Erst kürzlich besiegte eine künstliche Intelligenz namens „Alpha Go“ – Teil des mit $650 Millionen finanzierten Google-KI-Projekts „Deep Mind“ – den Weltmeister im Brettspiel „Go“. Einer aktuellen Umfrage von Vanity Fair zufolge glauben 50% der Männer in den USA sogar, dass Computer bald Recht von Unrecht unterscheiden können. 

Auch die Marketingbranche setzt verstärkt auf „denkende“ Maschinen: Aktuell arbeiten bereits 7 von 10 Marketingentscheidern mit KI-Technologien, oder haben diesbezüglich konkrete Pläne. Rund 55% sind sogar überzeugt, künstliche Intelligenz werde die Marketingbranche stärker verändern als es die sozialen Medien geschafft haben (KRC Research).

Das sind enorme Erwartungen, aber wie genau vollzieht sich der Siegeszug künstlicher Intelligenz?

Bereits jetzt steht fest: Ähnlich wie im Bereich „Smart Homes“ wird künstliche Intelligenz sich Schritt-für-Schritt ihren Weg ins Marketing bahnen. Einige KIs sind bereits im Einsatz, andere entfalten erst ihr digitales Bewusstsein hinter verschlossenen Türen in den Research-Abteilungen der digitalen Think Tanks der Welt. Hier unser Überblick.

 

Was ist heute bereits Realität?

 

Artificial Intelligence 1
Empfehlungen beim Online-Shopping. Der Einkaufsbummel im Internet generiert aussagekräftige Daten über die Vorlieben und Bedürfnisse der Kunden. KIs setzen diese Puzzlestücke zu attraktiven Angeboten zusammen, allen voran die Recommendations-KI von Amazon: Rund 35% seiner Umsätze erzielt das US-Unternehmen aktuell aus automatisierten Produktvorschlägen (McKinsey). Hunger? Nutzer der Productivity-Plattform Slack können ihren intelligenten „TacoBot“ fragen, welche leckeren Taco Bell Speisen dieser empfiehlt. Der Bot bestellt dann auch direkt.

Artificial Intelligence 2
Chatbots im Kundendienst. Immer mehr Unternehmen setzen auf „Bots“ mit künstlicher Intelligenz, um ihren Kundendienst schneller (und aus Firmensicht preiswerter) abzuwickeln als am Telefon. Ganz weit vorne ist die Technologie „M“ von Facebook, die innerhalb der Messenger-App dabei hilft, Produkte zu kaufen oder Reisen und Restaurants zu buchen.

Artificial Intelligence 3
Digitale Assistenten im täglichen Leben. Angesichts der steigenden Verbreitung von Wearables und Assistenten wie Echo und Google Home folgt KI den Nutzern ins tägliche Leben: Die Sportmarke UnderArmour nutzt Watson, die künstliche Intelligenz von IBM, als Teil ihrer Fitness-App. Sie bietet persönliche Trainings- und Ernährungspläne, oder regt zum Kauf neuer Kleidung und Schuhe an. Zuhause auf der Couch empfiehlt die KI von Netflix passende Filme oder Serien, und rund 75% aller angeschauten Inhalte basieren auf derartigen Bot-generierten Empfehlungen (Netflix).  

Artificial Intelligence 4
Personalisierte Suchergebnisse. Auch bei Suchanfragen hat KI ihre Finger im Spiel. Marktführer Google nutzt eine Intelligenz namens RankBrain mit Spracherkennung (Natural Language Processing), um Texte aus Produktbeschreibungen und Rezensionen ins Search-Ranking mit ein zu beziehen. Im Zusammenspiel mit Location-basierten Suchmaschinen wie Google Now bringt die künstliche Intelligenz somit relevante Ergebnisse in Echtzeit.

Artificial Intelligence 5
Programmatic Media Buying. Hinter den Kulissen revolutioniert KI bereits die Platzierung und Transaktionsabwicklung von Programmatic Ads. Aufgrund von fein abgestimmten Algorithmen bekommen Website-Besucher individuell abgestimmte Werbungen gezeigt – und die Bots übernehmen auch die Abrechnung der Werbekosten.

Artificial Intelligence 6
Familienfreundliches Internet. Über 100.000 Tweets und 250.000 Instagram-Posts teilen Nutzer in aller Welt pro Sekunde(!) – und nicht alles ist „family friendly“. Daher entfernen soziale Netzwerke mithilfe von KIs die gröbsten Verstöße, etwa Twitters System Cortex. Google nutzt KI, um terroristische Websiten zu erkennen und aus Verteilerlisten für Programmatic Ads zu entfernen. Manchmal wird KI jedoch selbst zum Fall für die Zensur: Microsofts Twitter-Bot namens Tay musste im März nach nur einem Tag gesperrt werden, da er sich in den Untiefen des Internets rassistisches Gedankengut aneignete – und fleißig per Tweet verbreitete.    

 

Und was bringt die Zukunft?

 

Artificial Intelligence 7
Werbung ohne Sprachbarrieren. Marketer können bald Übersetzungskosten sparen. KI ermöglicht automatische Übersetzungstechnologien wie das Facebook-System „DeepText“, an dem aktuell 150 Entwickler arbeiten. Bereits heute versteht DeepText den Inhalt tausender Posts seiner 1,65 Milliarden User pro Sekunde und wird künftig Werbungen, Bildunterschriften und Kommentare in Echtzeit übersetzen.

Artificial Intelligence 8
Kundendialog per Gesichtserkennung. „Welcome to Wal-Mart!“ Künftig werden Kunden in Geschäften und Restaurants durch automatische Gesichtserkennung identifiziert und gemäß ihrer Vorlieben bedient. Wal-Mart nutzt die Technologie bereits gegen Ladendiebe, während Kentucky Fried Chicken in China seine Gäste im Rahmen eines Pilotprojekts mit per KI generierten Menüempfehlungen empfängt.

Artificial Intelligence 9
Vorausschauender Kundenservice. Künftig lösen Unternehmen die Probleme ihrer Kunden, bevor diese den Kundenservice kontaktieren. Was klingt wie aus dem Film „Minority Report“ ist bereits im Test-Stadium: Die Intel-Tochterfirma Saffron hat eine KI entwickelt, die mit bis zu 88% vorhersehen kann, auf welchem Kanal und wegen welchem Produkt ein Kunde um Hilfestellung bitten wird.

Artificial Intelligence 10
Einfach die KI fragen. Während wir heute hauptsächlich per Keyboard und Touchscreen mit unseren Geräten interagieren, hört die KI der Zukunft auf Sprachbefehle. Teilweise gelingen heutigen KIs wie Siri und Alexa schon mal überzeugende Antworten auf Nutzeranfragen – doch die Spitze der Turing-Skala für Maschinenintelligenz haben sie längst nicht erreicht. Aber sie werden besser, dafür sorgen verbesserte Spracherkennung, contextabhängiges Verständnis und intuitive Problemlösung (Hey, der „Go“-Weltmeister ist ein Bot). Künftig könnten Marketer per Sprachbefehl um automatische Segmentierung von tausenden Kontakten in Sekundenschnelle bitten, wie sie das Unternehmen AgilOne testet.

Artificial Intelligence 11
Content Creation per Algorithmus. Auch für Marketing-Texter ist KI ein potenzieller Job-Killer. Bereits heute verwandelt die Plattform Wordsmith langweilige Excel-Dateien in sauber ausformulierte News-Storys. Das kalifornische Job-Portal TalentSonar lässt durch künstliche Intelligenz politisch korrektere Stellenausschreibungen automatisch generieren. Im nächsten Schritt sollen KIs kreatives Schreiben lernen und aus Daten und aktuellen Ereignissen selbstständig Inhalte – auch für ganze Werbekampagnen –verfassen.

Moment mal, schreiben künstliche Intelligenzen dann auch Blog-Beiträge wie diesen? Was wird dann aus unserem Job?! In der Vanity Fair-Umfrage fanden 68% der Befragten einen „Aus“-Schalter für KIs unbedingt eine gute Idee. Das finden wir ebenfalls sehr empfehlenswert!

 

Interesse an weiteren Perspektiven zur Zukunft der Marketingbranche? Lesen Sie auch 7 Dinge, die Marketer über Smart Homes wissen sollten.